Archiv für Februar 2009

Gestern/Heute. Beobachtungen.

Regenschirme bestimmen das Stadtbild.
Der Winter hat sich entschlossen im Regen zu ertrinken.
Die Hochschwangere junge Frau blies mir ihren Zigarettenrauch ins Gesicht.
Ein etwa 12 jähriger Junge stopfte sich ein Monsterstück Bienenstich in den Mund.
An der Straßenkreuzung standen zehn Menschen. Neun konnte man sehen, einen nur hören. Ein Goldkettenbehangener Gigolo Typ mit Handy am Ohr und Sonnenbrille im Haar unterhielt im lauten schrillen Türkisch alle anderen Passanten. Ich mag Brillen im Haar wenn es bewölkt ist und regnet. :D Willkommen in Coolcity.
Es waren kaum Kunden bei Plus als ich dort war.
Eine alte Dame bewegte sich in Zeitlupenhafter Bewegung auf die Kasse zu.
Als sie die Kasse erreichte waren bereits drei Leute schneller gewesen.
So ist das Leben, dachte ich mir. Sie lächelte ihr Wie nur Omis Lächeln können – Lächeln. Ein bisschen erinnerte sie mich an eine alte Fee die nur mal eben kurz bei Plus Notgelandet ist. Ihre Haare waren weiß und die Gesichtszüge erzählten Umstehenden, dass sie ein gütiger und freundlicher Mensch ist.
Im Waschcenter war ich alleine. Kein anderer da.
Irgendwo in der ferne bellte unentwegt ein Hund.
Ich versank in meinem Marsmädchenbuch welches ich immer in den Waschcenter mitnehme.
Als ich endlich wieder hier war erwarten mich eine süße „Ich wünsch dir einen tollen verregneten Morgen :D – Mail vom Webcammädchen die mich strahlen ließ, und mit der Post bekam ich Wundersamen Tee von der Mimi – Mum ins Haus geliefert. Gleich werde ich den probieren. Er riecht jedenfalls suuuuuper lecker! Rooibos – Tee mit Holunderbeeren, Orangenschalen, Saflorblüten, Vitamin C… Liebe Mimi – Mum, habe vielen Dank für die völlig unerwartete Überraschung!
Das geheimnisvolle Wiesenmädchen hat mir gestern ein unglaublich schönes Bild geschenkt! Eine Zeichnung. Ein Bild dass ihr irgendwann in einem kleinen Laden in Danzig in die Hände fiel. Aber es war zu klein, einfach zu klein. Also fragte ich sie woher ich das Motiv in einer größeren Ausgabe bekommen könnte!? Sie wolle sich darum kümmern, versprach sie mir. Und nun habe ich es und starre es unentwegt an!  (Woher auch immer du das nun hast, ich danke dir dafür!)
Auf dem Parkplatz vor unserem Haus wird es laut.
Am Wochenende kommen die Busse. Türkische Familien haben immer Hunderte Verwandte und sie pflegen einen regen Austausch.
Ich werde es lieben nicht mehr hier zu wohnen!
Morgen kommt Wetten, dass…? und ich werde das Wochenende genießen. Einfach so.
Habe mir heute erlaubt Glücklich zu sein.

0x gerumpelt | mitrumpeln?

Mistding.

Es ist einfach meine Macke, dass alles einen Namen bekommen muss.
Ist ja eigentlich egal wie etwas heißt, aber wenn man sauer ist dann hilft es, anstatt Mistding einfach einen Namen schreien zu können.
Gestern hatte ich Migräne, den ganzen Tag lang. Angefangen hatte sie dienstagmorgens um 3:17 Uhr. Seitdem lag ich wach.
Um 9 Uhr war ich bei einer Freundin eingeladen, zum Frühstück und Mittag.
Als ich dann nach Hause kam hörte ich schon beim Aufschließen der Haustür dieses Mistteil von Staubsauger. Bei Migräne sind die kleinsten Geräusche schon tödlich.
Ich hasse dieses Ding!
Wie kann ein so kleines Teil, dass doch einfach nur seinen Job erfüllen soll, so laut sein?!
Es röhrt nicht, es brummt nicht, es summt nicht… es beschallt seine Umwelt als ginge es schon seit Jahren zu Rammsteinkonzerten!
Ich hasse dieses Ding!
Ich hasse dieses Ding!
Ich hasse dieses Ding!
Seit gestern hat es auch einen Namen: Adolf.

0x gerumpelt | mitrumpeln?

Adieu

Die Kinder haben ihn in den Garten gestellt.
Es dauerte etwa 30 Minuten und er war so groß wie ich.
Seit einer Woche steht er da.
Morgens guckte er in mein Zimmer. Abends schienen die Sterne auf ihn.
Er schien mir glücklich zu sein.

Zuerst verschwand seine Nase.
Dann sein Kohlelächeln.
Er wurde kleiner, blieb aber standhaft.
Der Regen der letzten beiden Tage ließ ihn in sich zusammenfallen. Er wurde jeden Tag weniger.
Nun hat er verloren.
Gegen den Regen.
Gegen die Zukunft.
Wollen wir mal ehrlich sein, er hatte sie nie wirklich, eine Zukunft.
Nun halte ich ihn fest. Im Foto. Als Beweis, dass er DA war.
Adieu mein Freund!

*Beim Raufklicken versucht er sich etwas größer zu machen. Noch einmal will er gesehen werden. Ein letztes Mal.

Free Image Hosting at www.ImageShack.us

0x gerumpelt | mitrumpeln?

Drei Namen.



Jesus und Anne Frank sind immer meine Antworten auf die Frage, wem ich gerne mal begegnet wäre. Kennt ihr diese Fragen? Welches Buch oder welche Person würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen? Oder eben, wem man gerne mal begegnet wäre? Dann wollen die Leute immer dass man Namen von noch lebenden oder bereits verstorbenen Persönlichkeiten nennt.
Neulich fragte mich das wieder jemand. Ich saß bei einer Bekannten die plötzlich Besuch bekam und wir sprachen über Gott und die Welt. Und dann kam diese Frage.
Noch nie (hinter dem nie gehören Ausrufezeichen) fragte jemand zurück Jesus?
Die Antwort ist selbst im Satzbau immer dieselbe: Äh…, wieso grade Anne Frank?
Um das genau zu erklären fehlen mir die Lust und die Zeit. Aber ich kann zwei Sachen kurz erzählen die dazu beitrugen mich für Anne zu entscheiden.
Erstens, ihr Tagebuch.
Als ich es damals zum ersten Mal las verliebte ich mich in ihre Art zu schreiben. Und ich hatte Fragen, Fragen zu einzelnen Sätzen, zu Gefühlen und Gedanken die ich nur allzu gut teilen konnte. Ich wollte mehr wissen!
Und dann war da noch diese Begegnung in Amsterdam, im Anne Frank – Haus. Ist etwa fünf Jahre her. Ich wurde dort Zeuge von etwas dass zu lang wäre um es hier ausführlich zu erklären.
Ist auch egal. Das muss jetzt mal reichen als Antwort.
Doch nun hat sich ein Name dazugeschmuggelt und ich bin schon jetzt gespannt, wie die Leute reagieren werden, wenn auf Platz Drei meiner Namennennung Gabriele Schulze auftauchen wird.
Gabriele Schulze muss man nicht kennen. Und hätte ich nicht meine besonderen ;) Quellen dann wüsste auch ich nicht wer sie ist. Aber ich fürchte dabei wird es nicht bleiben. Es wird nur noch eine Frage der Zeit sein bis über die Filmrechte verhandelt wird.

Eine kleine Stadt in der Mark Brandenburg, unweit des Kaffs aus dem ich stamme. Man kann von meinen Eltern aus mit dem Fahrrad hinfahren.
1997, im Februar.
Eine Frau zieht sich an und verlässt das Haus.
Alles ist wie immer.
Und doch unterscheidet sich dieser Tag im Februar von allen bisherigen Tagen in ihrem Leben.
Sie geht die Straße entlang, wird noch von Menschen gesehen und… verschwindet.
Die Mutter von Frau Schulze stellte eine Vermisstenanzeige um die Vierzigjährige suchen zu lassen.
Es gab keine Hinweise. Sie blieb verschollen.
Aus dem Melderegister wurde sie inzwischen gelöscht.
12 lange Jahre blieb sie verschwunden.
Am 14. Januar 2009 taucht mitten in einem Schweizer Wald eine Frau auf: Gabriele Schulze.
Lebend.
Schweigend.
In einer winzigen Erdwohnung hatte sie ein neues Leben angefangen.
Sie reiste, lernte verschiedene Länder wie Österreich, die Schweiz, Frankreich, Italien und Spanien kennen.
Nun ist sie die Waldfrau. Journalisten aus aller Welt haben inzwischen über sie berichtet.
Sie war nicht glücklich dass man sie fand, aber sie nahm es hin.
Auch wollte sie ihren Wald nicht verlassen, nicht zurückkehren ins „normale“ Leben. Schließlich gab man ihr einige Tage um sich von dem Wald zu entwöhnen.
Sie mag (noch) nicht darüber sprechen warum sie damals ging.
Ich glaube, dass ihr die Welt zu laut wurde, dass es ihr nicht mehr gelang nach innen zu hören. Der Kreislauf unserer Gesellschaft wurde zu ihrem Hamsterrad.
Aber das sind nur meine Vermutungen.
Wir werden warten was sie erzählt, wenn sie erzählen will. Noch schweigt sie.
Ich … ich würde so gerne wissen warum sie das unsichtbare Band der Gesellschaft durchbrach und in den Wald ging. Ich würde es so schrecklich gerne wissen…
Das… das sie nicht sprach, sich nicht erklärte, das stimmt so nicht ganz.
Sie sagte einen Satz. Einen.
Und dieser Satz ist so rätselhaft wie ihr verschwinden selbst: „Meine Mission ist beendet!“

Wir reden gerne über die großen Leute, oder eben über die Bohlens und Paris Hiltons dieser Welt.
Gabriele Schulze ist meine Heldin. Sie hat sich ausgeklinkt um innen anzukommen. In sich. Urbanität eines Innenmenschen…

0x gerumpelt | mitrumpeln?

?

Ein Düsenjet?
Kein Düsenjet.
Nebenan wird ein Haus abgerissen?
Nebenan wird kein Haus abgerissen.
Bohren die über mir wieder? (Ist ja deren Lieblingsbeschäftigung am Wochenende.)
Die über mir bohren nicht.

Ich höre meine leisen Lieder sehr laut.
Kaffee zu genießen und dabei Buchseiten zu berühren ist nicht schön wenn sich gleichzeitig Lärm in die Gedanken bohrt.

Der Karton vor deren Tür bringt die Auflösung:
STAUBSAUGER! Die haben nur einen neuen Staubsauger!

Derzeit gehen so viele Firmen kaputt und ich frage mich, wie um alles in der Welt sich ein Unternehmen halten kann, welches Panzermotoren in Staubsauger einbaut?
Aaarrrggghhhh…

0x gerumpelt | mitrumpeln?