Archiv für Juni 2010
Menschen, die mein Leben über Twitter verfolgen, saßen ja mit mir auf der Bank und wir warteten gemeinsam auf das Oasenmädchen.
Da saß ich also.
Hatte meine Bibellese und sicherheitshalber noch die fette Abizeitung meiner kleinen Schwester mitgenommen.
Die Zeit stimmte auch, so ungefähr.
Neunzig Minuten saß ich da.
Ich habe die alte Frau mit den beiden Hunden kennengelernt, die gerade Erdbeeren nach Hause bringen wollte.
Jogger joggten in die Hitze hinein.
Radfahrerinnen grüßten mich.
Radfahrer fuhren schweigend an mir vorbei.
Oh, wenn man etwa sieben Radfahrer jenseits der 60 an sich vorüberfahren sieht, dann kann man folgendes als Erkenntnis mitnehmen:
1. Weiße Socken kommen nie aus der Mode!
2. Kurze Hosen müssen in dem Alter eine Art Uniform darstellen.
Im Grunde genommen war es gruselig und ich hatte vorher noch drei Brötchen, ein Ei und ziemlich viel Schokolade gegessen. Während des Wartens trank ich Pepsi.
Hat jemand von euch eine Ahnung, ob es eine Möglichkeit gibt, kurze Hosen bei Männern verbieten zu lassen? ![]()
Ich meine, wir haben doch echt für alles Gesetze.
Jaja… ich lenke ab. Ich weiß.
Sie kam nicht.
Sicher, sie kann ja völlig unterschiedliche Zeiten haben.
Vielleicht war sie vormittags da? Vielleicht auch eine Stunde nach mir?
Vielleicht war sie heute auch gar nicht da? Vielleicht war sie nur während einer Radtour zufällig an diesen Ort gespült worden und war vorher noch nie da?
Immerhin hatte sie ein fettes Tourenrad!
Und… was wäre geschehen wenn sie gekommen wäre?
Nach dem Buchtitel hätte ich sie gefragt. Sicher.
Heute hätte ich es. Auch morgen würde ich das noch tun.
Nun hatte ich also Zeit, mir mal diese Bäume anzugucken.
Für euch habe ich extra Fotos gemacht. (Die Männer mit den kurzen Hosen und weißen stacheligen Beinen fotografiere ich erst ab morgen! Das werde ich solange machen bis keiner von ihnen sich mehr ohne lange Hose da langtraut!
)
Seht ihr warum ich von dem Baum gesprochen habe?
Er sieht aus wie ein Baum. Aber es sind mehrere. Ein etwas dickerer und kleinere neben ihn.
Zusammen ergeben sie scheinbar einen Baum.
Was für ein Bild!
Ein Synonym für eine Beziehung.
Aus zwei werden eins. Und kommen Kinder dazu, … dann werden eben aus drei oder vier eins. Eine Familie. Schön.
Und bei Familie denke ich sofort wieder an das Oasenmädchen. ![]()
Nee nee, nur Spaß!
Ich… ich weiß eh nicht.
Gefallen hat mir vor allem das Schweigen. Die Nähe und das Schweigen.
Die Nähe, das Schweigen, das Lächeln und das Kritzeln des Bleistifts.
Die Nähe, das Schweigen, das Lächeln, das Kritzeln des Bleistifts und der Zauber der in allem lag.
Morgen fahre ich wieder hin.
Irgendwo muss sie ja sein.
Es gibt sie doch. Sie war ja da.
Sie kam ja nicht vom Mond.
Und selbst wenn, … Oasenmädchen sollten mindestens einmal pro Tag die Erde besuchen.
Sollten sie doch, … oder?
Um 9 Uhr war ich bei B. zum Frühstück eingeladen.
Es war wie immer schön und traurig zugleich. Das Essthema wird eben immer ein Thema bleiben und manchmal gelingt es mir einfach nicht zu verschweigen, wie traurig ich bin, dass sie – wie neulich den Kuchen – so unglaublich leckere Sachen kocht und bäckt und nichts davon probiert, geschweige denn isst.
Jemand der nicht essgestört ist, wird es auch nie ganz verstehen. Ich weiß. Und ich maße mir das auch nicht mehr an, es jemals ganz verstehen zu können.
Heute war ein seltsamer Tag.
Zwei Augenblicke haben mich sehr berührt.
Vom ersten erzähle ich später, ich beginne mal mit dem Zweiten.
Als ich wieder hier war, standen vor meiner Kellertür eine Menge Kisten und ich musste dringend in den Keller. Ich hörte Kinderlachen und sah Schönes Haus mit der ältesten Tochter im Garten unter dem Lottabaum sitzen. (Als ich am Mittag kurz herkam, um Kaffee zu trinken, sah ich Li mit der Tochter unten im Garten. Zum ersten Mal haben sie sich ganz vorsichtig unter den Baum gesetzt. Ich freue mich, dass sie sich jetzt ein bisschen um ihn kümmern, wo die Lotta doch weg ist.)
Ich fragte Schönes Haus ob ich die Kisten woanders hinstellen könnte, damit ich in meinen Keller gelangen kann.
Und schon kamen wir ins Gespräch.
Ich fragte nun endlich auch, woher sie kommen. Ich tippte ja auf Vietnam.
Nix Vietnam, China! Er ist selbstständig und kümmert sich hier um Firmen, die nach China importieren wollen. Ein Zukunftsmarkt.
Und wir sprachen über das Land, seine Schönheiten, seine Armut, seine Menschen, die Regierung … diese massive Christenverfolgung die dort auf gnadenloseste und widerlichste Art durchgezogen wird.
Dann erzählte er, dass Li, seine Frau, wieder gerne dort leben würde.
Wie er dabei guckte… es hat mich sosehr berührt!
Und jetzt erinnere ich mich wieder an diesem Blick, als sie mich fragte, ob ich in der Nacht wach wurde, als das Kind geweint hatte. Ich konnte den nicht sofort deuten, erst im Nachhinein schwang diese Angst in dieser Frage mit… Angst vor meiner Antwort… und dann die grenzenlose Erleichterung, als ich sagte, dass es schon okay sei, dass es eben Kinder seien und die weinen eben nun mal auch. Und sie bedankte sich mehrfach völlig erleichtert.
Ich hatte mich sofort gefragt, welche Erfahrungen die hier schon gemacht haben müssen.
Nun weiß ich… sie hat Heimweh! ![]()
Heimweh ist eines meiner vertrautesten Gefühle. Ich weiß, wie es ist, nirgends anzukommen. Ich kenne das, wenn man geht und am Ende doch wieder im Nirgendwo steht.
Ich mag diese Familie! Jetzt kann ich das klar sagen, ich mag sie!
Oh und ich kenne jetzt die Namen beider Mädchen! Japp, das kleine Kind mit der LKW – großen Kopfbedeckung ist auch ein Mädchen und ich kann deren Namen ruhig sagen weil hier ohnehin jede dritte Blogleserin so heißt und ich den Namen sowieso klasse finde:
Die Ältere heißt Anna (übrigens: sie hat mich heute im Garten zum ersten Mal fett angelächelt!) und die LKW – Hutträgerin heißt Annie!
Süß!
Für das, was ich jetzt unbedingt noch erzählen will, muss ich nur mein Notizblock aufklappen und die Worte darin hier in das Weblog gleiten lassen:
Ich frage mich, was gleich passieren wird?
Gestern hatte ich die Idee, einen alten vertrauten Ort aufzusuchen, um dort meine Bibellese zu machen.
Vielleicht erinnern sich einige noch die schon Leser meines alten Blogs waren.
Da gibt es diese riesigen Felder am Rande der Stadt.
Und mittendrin steht ein alter mächtiger Baum. (Also, um genau zu sein: es sind drei oder vier Bäume, aber einer von denen ist der Mächtigste und Schönste.) Dahinter Gestrüpp. Auch ein klitzekleiner Bach ist da.
Das ist der einzige schattige Platz weit und breit.
Vor zwei, drei Jahren lernte ich dort dieses Ehepaar aus Österreich kennen, die nun in Göttingen wohnen und sie waren doch so verwundert, dass ich ihren Tiroler Nationalhelden Thomas Hofer kannte. Und wir hatten ein großartiges umwerfendes Gespräch. Der Mann war Professor, wenn ich das noch richtig weiß. Ihr erinnert euch?
Worauf wollte ich jetzt…
Äh… Ach ja. Genau. Jedenfalls war es gestern superschön, alleine an diesem Ort zu sitzen.
Schon heute früh nahm ich mir vor, dass ich diesen Ort, diese Bank erneut aufsuchen würde.
Als ich hinfuhr, sah ich schon aus hundert Metern Entfernung ein Rad unter dem Baum stehen.
Mist, dachte ich, da sitzt schon jemand.
Ich fuhr dennoch langsam weiter, völlig verunsichert was ich jetzt tun sollte.
An der Bank angekommen sah ich ein junges Mädchen dort sitzen, … mit einem Buch in der Hand, die mich für einen Moment, ohne das zu wollen, völlig aus dem Gleichgewicht brachte. Sie könnte absolut die jüngere Schwester meiner letzten großen Liebe sein!
Ich bremste ab und sagte etwas schüchternd lächelnd: Oh, da hatte schon jemand anderes die Idee herzukommen. Ich lächelte sehr sehr verlegen und fragte dann: Darf ich mich trotzdem hier hinsetzen? Und wie aus der Pistole geschossen kam ihr Na klar! Sie rückte ihre Sachen beiseite und ich stellte den Cruiser ab und setzte mich zu ihr.
Eben packte ich meine kleine Taschenbibel und meine Bibellese aus.
Und ich las meine Bibel.
Aber… ehrlich gesagt konnte ich mich nicht konzentrieren.
Nun habe ich beides fertig
Sie sitzt neben mir und lächelt manchmal.
Offensichtlich liest sie etwas Komisches.
Ich wage kaum zu atmen.
Oh, ich weiß genau, dass sie jetzt denkt Was schreibt der Typ denn da bloß?
Zu den Dingen, die ich immer dabei habe, gehören mein kleines Notizbuch und ein Bleistift.
Süß. Eben hat sie wieder gelächelt!
Ich traue mich nicht zu fragen, was sie da liest.
Aber… gleich bin ich so mutig und frage sie, ob sie ein Foto vom schreibenden Rumpel machen könnte.
Ich liebe diese Situation grad, weil sie beides ist: schön und zerbrechlich zugleich.
Man hört außer dem Wind, der durch die Blätter streicht, nur meinen Bleistift und das Seitenumblättern ihres Buches.
Ich kann gar nicht sagen, was ich an diesem Moment grad so liebe.
Neben mir sitzt lesend eine Fremde und ich schweige in mein Notizbuch hinein.
Wieder hat sie gelächelt!
Ich überlege grad…
Ich habe ja keine Tüte dabei … für meinen Kopf?
Soll ich sie trotzdem…
Soll ich?
Man, wo seid ihr nur, wenn ich euch mal brauche?!
Jetzt habe ich Schiss, sie zu fragen.
Ich weiß genau, dass sie sich fragt, was ich da schreibe! Denn als ich eben diese letzten Sätze schrieb, musste auch ich lächeln und das hat sie gemerkt!
Jetzt bleibe ich hier solange sitzen bis ich mich traue! So!
Ich machs!
Jetzt!
Genau jetzt!
Ich habe echt gefragt und bin jetzt megastolz auf mich!
Sie hat das Foto gemacht, ich bedankte mich, … wir sagten Tschüß und ich fuhr los.
Nun sitze ich hier und bin doch etwas traurig. Es wäre doch nur so eine kleine Frage gewesen „Was liest du denn da?“ Anhand ihrer Antwort hätte sich ja gezeigt, ob sie ein kurzes Gespräch gewollt hätte.
Man Rumpel, warum bist du nur immer so schrecklich kompliziert! ![]()
Morgen werde ich wieder dort sein. ![]()
Und übermorgen.
Und im August.
Und im Mai.
Und…
Oasenmädchensuche.
14x gerumpelt | mitrumpeln?Um das noch einmal klar zu sagen: DAS ist der Tausendste Tweet!
Dieses … Aaaragghhh… Dings von Twitter zeigte das auch an… fast eine ganze Stunde lang. Toll. Inzwischen sind es 1001, aber die Zahl wird seit einigen Minuten mit 998 angegeben.
Twitter und ich mochten uns nie besonders, wahrscheinlich weil ich das Ding nur selten nutze, eigentlich vor allem dann wenn ich gebloggt habe oder auf Tour durch das Land war.
Nun werde ich heute irgendwann diesem Twittermistding den Tweet noch einmal auf die Nase drücken und wenn er schrecklich lieb ist, dann wird er sich diesmal seine Zahl auch merken!
Twitter, du schaffst das! Glaub an dich! Schakka!
Aaaargghhhh…
Gäbe es die Möglichkeit, das Volk tatsächlich demokratisch wählen zu lassen, dann würde ich am 30. Juni wählen gehen.
Ich wähle nicht mehr.
Was denn auch?
Einen Menschen, eine Partei, die Lobbyisten, die hinter all dem stehen?
Ein Bundespräsident sollte vom Volk gewählt werden. Punkt.
In allen Umfragen hat das Volk auch gewählt und sich für Joachim Gauck entschieden. Genau er solle das Volk vertreten, sagen sie.
Wer das Volk vertreten darf, sollte auch vom Volk entschieden werden.
Gauck. Seine Geschichte und sein aufrechter Gang zu DDR – Zeiten sollten für ihn sprechen.
Er ist derzeit der einzige Politiker, dem ich noch vertraue.
Rau habe ich vertraut. Hildebrandt habe ich vertraut.
Doch der Tod hat ihnen das Leben genommen.
Ich trauere Horst Köhler nach. Aber… ich kann ihn auch verstehen.
Rumpelwald würde Gauck wählen! Wenn er könnte… wenn das Wort Demokratie gelebt anstatt nur geschrieben werden würde.
Sein Name klingt wie ein Versprechen: Schönes Haus. So jedenfalls lautet seine Übersetzung.
Ein schöner Name.
Gestern, als die Welt Fußball schaute, suchte ich im Keller nach der Vergangenheit und öffnete Kiste um Kiste.
Schritte waren zu hören.
Die neuen Nachbarn haben den Keller direkt neben meinem.
Nun habe ich auch den Mann und die Tochter von Li kennengelernt.
Ich sagte meinen Namen, er seinen.
Seinen kann ich nicht aussprechen. Er besteht aus zwei Teilen und er sagte sofort, dass keiner hier seinen Namen richtig aussprechen könne, weil er von den Lauten her ziemlich schwer sei.
Und dann erklärte er mir die Bedeutung des Namens.
Schönes Haus klingt gut, klingt friedfertig, … klingt poetisch, klar und schnörkellos.
Neben ihm stand ein etwa vierjähriges, schüchternes Mädchen.
Große Augen schauten fragend in meinen Keller.
Ich sagte Hallo und versuchte ein Lächeln, das nicht zu aufdringlich ist.
Verschüchtert erwiderte sie meinen Gruß.
Der Papa guckte zuerst sie an und dann mich und sagte sofort erleichternd lächelnd: Oh, das macht sie nicht bei jedem! Das freut mich jetzt aber!
Nun habe ich die Mama, den Papa und die Tochter kennengelernt.
Als ich die Mama das erste Mal traf, guckte ich auch in den Kinderwagen. Aber ich kann nicht sagen, ob das kleine Wesen darin ein Junge oder ein Mädchen war.
Ich konnte kaum die Augen sehen, weil die Mütze, die es auf dem Kopf trug, die Größe eines LKWs hatte. ![]()
Heute Morgen traf ich die Mama im Flur und sie wollte wissen, ob ich das weinen gehört hätte.
Ja, habe ich, aber es ist okay, sagte ich ihr. Es sind eben Kinder.
Sie entschuldigte sich und ich nahm ihr ihre Ängste und sagte, dass das doch kein Problem für mich wäre.
Sie sind alle sehr nett! Ich bin erleichtert.
Zu dem Eintrag von gestern:
Ja. Wenn ich die Person am nächsten Sonntag wieder sehen sollte dann kann ich etwas gut machen, vielleicht.
Dann könnte ich das Versagen korrigieren.
Um 14:19 Uhr schreibe ich meinen tausendsten Tweet.
Ich habe mir schon lange vorher Gedanken gemacht, an wem der gehen soll.
Es gibt nur eine Person, die ihn verstehen kann.
Der Tag heute, … diese neue Woche haben eine Chance verdient.
Montage sind immer ein Anfang und nur fünf Tage vom Wochenende entfernt.
Kommt GUT in die neue Woche!



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