Irgendwo in der Mark Brandenburg, unweit von Berlin.
Heute. Mittwoch, den 6.Februar.
Es wird ein stiller leiser Tag für sie werden.
Aber sie und er wollten es nicht anders.
Kein Besuch wird erwartet.
Nur der Bruder von ihr leistete schon seinen Pflichtbesuch ab.
Er war mein Lieblingsonkel gewesen. Mein Held. Er gab mir Kraft wenn mein Vater mich wieder mal schlug. Brachte mir heimlich Judo bei um mich eines Tages wehren zu können.
Nach der Wende bekannte er was er vorher nicht offen bekennen konnte. Ja, er sei gegen Ausländer. Ja, er wähle die NPD. Ja, Hitler wollte nur das Beste für dieses Land.
Ich habe den Kontakt konsequent abgebrochen zu ihm und seiner Frau. Seine Frau ist ohnehin noch blöder als er. Aber Verwandte kann man sich nicht aussuchen…
Andere Freunde und Verwandte soffen sich tot, starben an Lungenkrebs, sprangen nach der Wende von Häusern und Brücken oder hängten sich auf. Wieder andere mussten damit Leben dass sie als Verräter, als Stasispitzel enttarnt wurden.
Man bezahlt immer für seine Vergangenheit.
So sitzen sie also heute alleine in einem alten Haus irgendwo in der Mark Brandenburg.
Er ist Alt geworden über den Verlust seiner Arbeitsstelle.
Sie hat Parkinson.
Es gibt billigen Aldi – Marmor – Kuchen. Dass erzählte sie mir grade am Telefon.
Er ist mein Vater und sie meine Mutter.
Sie hat heute Geburtstag.
Ich bin froh BEIDE noch zu haben!
Ich bin nicht das was ihr wolltet, aber ich liebe euch…
12x gerumpelt | mitrumpeln?-
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Pingback || 23. September 2009 || 19:43
[...] als Redner gehabt der meine Mutter wenigstens kannte. Hatte mich auch darum gekümmert, aber mein Nazi – Onkel wollte keinen Pfarrer. Er empfahl die Rednerin die auch bei seiner Frau gesprochen hatte. Mein [...]
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Pingback || 17. Juni 2010 || 17:08
[...] besuchte für eine knappe Stunde meinen Nazionkel und meine Cousine. Am besten ist immer, dass man aufhört zu atmen, wenn er redet und sich klinisch [...]
05. Februar 2008 || 17:33
Ich kann ihr einfach NICHTS hinzufügen. Doch: Auch ich hab dich lieb, und zwar GENAU SO wie du bist.
Ein trauriger, aber sehr ehrlicher und auch ein trotz allem schöner Eintrag.
ich drück dich, Anni
06. Februar 2008 || 15:26
es ist wirklich, wirklich traurig, ja eisig kalt… und genau daran denke ich… ich denke an kälte und schnee- aber richtig lauten, kalten schnee und an…. grausamkeit und betrug
vielleicht bist du nicht, was die wollten, dass du bist, aber du bist mehr als das, was sie sich erdenken konnten. du bist ein kleines wunder. du bist ein menschenwunder, ein erbauer all der wunderbaren gedanken, die hier ihren platz finden …ich bin froh, dass du du bist, dass du bist, wie du bist! und du solltest niemals anders sein.
ich hab dich lieb.
06. Februar 2008 || 15:34
Ich danke dir ganz ganz doll für diese BALSAMworte! Sie sind wie ein Geschenk! Und ich weiß dass du sie so meinst, deswegen bedeuten sie mir auch etwas!
Hab dich sehr lieb!
06. Februar 2008 || 20:34
Bei Dir muß ich immer wieder ganz schön nach Luft schnappen. Das tut mir leid, daß die Beziehung zu Deinen Eltern so schwierig ist. Aber ich finde es erstaunlich, daß Du trotzdem die Kraft hast, den Kontakt zu halten. Deine Mutter wird Dir sehr dankbar dafür sein. Auch, wenn sie es Dir vielleicht nicht so zeigen kann. Aber weißt Du, Du bist ihr Kind und wirst es immer sein. Sie hat Dich unter ihrem Herzen getragen und wird Dich für immer IN ihrem Herzen tragen. Das geht gar nicht anders.
06. Februar 2008 || 21:52
…hört sich das an. Sehr traurig. Aber auch distanziert und erwachsen. Es ist gut, die Dinge mit einigem Abstand betrachten zu können, wenn man so schlimme Erinnerungen hat. Vielleicht heilt die Zeit die Wunden, aber über manches muß man einfach selbst das eine oder andere Pflaster kleben.
Und weiterhin Liebe zu empfinden ist wohl das Größte, was man in dieser Situation tun kann…
06. Februar 2008 || 22:13
Als ich das gelesen hab, hab ich Gänsehaut bekommen. Ein sehr berührender Text. Trotz der angedeuteten schweren Jugend zu sagen, dass du sie liebst, das zeigt Mut und Stärke! Ich schick dir unbekannterweise ganz liebe Grüße!
07. Februar 2008 || 15:07
Ein heikles Thema…
ich denke, tief in den Herzen jeder Eltern lieben sie ihre Kinder doch so, wie diese sind. Nur sind viele derart in ihren Wunschvorstellungen über ihre Kinder enttäuscht (was natürlich EInschränkung der eigenen Persönlichkeit des Kindes ist), daß sie das niemals nach außen hin wahrnehmen würden – aber ich denke wirklich, da ist immer eine gewisse Liebe.
DU bist auf jeden Fall ein guter Sohn, ein guter Mensch. Wer vergeben kann ist reich lieber Waldmann.
mögen auch deine Eltern ihren Seelenfrieden finden.
LG,
Sidhe
07. Februar 2008 || 15:35
lange hat mich nichts mehr so gerührt….
und…ich kann nicht wirklich viel dazu sagen und muss es auch nicht…
es sind deine worte, die gerade wirken!
aber mir kommen einzelne punkte irgendwie bekannt vor.. :/
Außerdem hat deine Mutter am selben Tag Geburtstag wie mein Bruder…
aber eins noch…
dann kommst du ursprünglich auch aus Brandenburg?
hm.. ich drück dich!
die Welt sollte dir Danken, für dein großes Herz!
07. Februar 2008 || 18:49
Ich danke euch ALLEN hier für die lieben Kommentare! Sie haben mich ganz leise werden lassen… DANKE!
Und Sassi, ich antworte dir per Mail!
26. Mai 2009 || 12:13
… nun ist mir ein wenig Übel. Ich kann das nicht steuern, es geschieht einfach.
Weißt du, du hast solch ein grosses Herz und wenn mich das was du bisher geschrieben hast nicht schon so an diesen Ort gebunden hätte – wäre es nach diesem Eintrag geschehen. Wer um Entschuldigung bittet, der bittet ja nur darum. Wirklich schenken muss sie der andere. Und wer um Liebe bittet macht nichts anderes, wirklich lieben muss der andere. Das “Opfer” zu allem Überfluß. Aber nur wenn das geschieht, wächst der Frieden. Und danach sehnen wir uns doch alle. Du bist ein liebender, entschuldigender Sohn. Du bist wahrlich toll Rumpel.